Mehr Zeit für mich – Entlastung durch Selbstorganisation und Zeitmanagement in der Schule

725323_web_r_k_b_by_i-vista_pixelio-deDer Beginn des Schuljahres gehört zu den Phasen im Alltag von Lehrerinnen und Lehrern, die zu Zeitdruck führen können. Zeitdruck kann langfristig die Gesundheit und das Wohlbefinden belasten und die Leistungsfähigkeit reduzieren. Um mit den Zeitressourcen auszukommen, ist es notwendig, Prioritäten zu setzen und auch einmal Nein sagen zu können.

Bereits zu Beginn des Schuljahres kann man die Weichen dafür stellen, dass dauerhafter Stress reduziert oder im besten Fall ganz vermieden werden kann. Es gilt eine Balance zwischen Aufwand und Nutzen zu finden, Arbeit und Privatleben zu trennen und die eigenen Kräfte dosiert und zielgerichtet einzusetzen. Das bedeutet auch, Tätigkeiten nach ihrer Priorität zu erledigen und sich von Perfektionismus zu verabschieden, indem unwichtigen Dingen nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig geschenkt wird.

Das können Sie selber tun

  • Nehmen Sie Ihren Zeitplan kritisch unter die Lupe. Gibt es viel verlorene Zeit, die Ihnen am Ende eines Tages für die Regeneration gefehlt hat? Feste Rituale können hier in allen Lebensbereichen hilfreich sein. Eine praktische Übung, wie Sie Zeitdieben identifizieren können, finden Sie hier.
  • Vermeiden Sie Perfektionismus und schaffen Sie im Alltag Zeitpuffer für Unvorhergesehenes.
  • Machen Sie sich Checklisten, wann welche Tätigkeiten im Laufe des Schuljahres anstehen; notieren Sie wichtige Informationen, die Sie für einen späteren Bericht benötigen, sofort und entrümpeln Sie Ihre Ablage von Zeit zu Zeit. Planen Sie in Ihrem Arbeitsalltag regelmäßig Zeit ein, die ausschließlich dafür zur Verfügung steht.
  • Überlegen Sie generell, ob Sie Ihre Art die Dinge zu erledigen optimieren können. Tauschen Sie sich dazu auch mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus.
  • Denken Sie darüber nach, in welche Weise Ihre Schülerinnen und Schüler Sie entlasten können. Abhängig vom Vertrauensverhältnis können diese verschiedene Aufgaben übernehmen.
  • Suche Sie zu Hause und in Ihrer Freizeit Ausgleich z.B. durch Bewegung, kreative Tätigkeiten oder ähnliches. Weitere Hinweise und Tipps zur Stressreduktion finden Sie u.a. hier
  • Falls es Ihnen noch nicht gelingt, üben Sie abzuschalten, den Kopf frei zu bekommen und Freizeit von außerschulischer Arbeitszeit zu trennen.
  • Machen Sie Pausen, denn niemand kann ohne Unterbrechung konzentriert arbeiten.

Das können Schulleiter/Schulleiterinnen tun

  • Informieren Sie Ihr Team rechtzeitig über vorhersehbare Abwesenheiten und möglichst rasch über unerwartete Ausfälle.
  • Fördern Sie Teamarbeit im Kollegium (z.B. durch Klassen-, Jahrgangs- oder Fachteams). Das kann helfen, Probleme aus anderen Blickwinkeln zu sehen, Ideen auszutauschen und Isolation zu überwinden.
  • Sorgen Sie für Transparenz, klare Regeln und Zuständigkeiten, damit allen klar ist, wer welche Aufgaben übernimmt und wofür verantwortlich ist.
  • Bieten Sie regelmäßig pädagogische Tage an, die sich beispielsweise mit Themen wie effektive Teamarbeit, Zeit- und Stressmanagement beschäftigen.
  • Werfen Sie einen kritischen Blick auf die Sitzungskultur an Ihrer Schule. Gibt es Optimierungsmöglichkeiten?
  • Schaffen Sie Möglichkeiten bzw. Bereiche, wo sich Ihr Team zurückziehen und entspannen kann.

Das braucht Zeit und Planung im Team

  • Verwaltungsaufgaben und zunehmende Bürokratie sind eine vielzitierte Belastung des Lehreralltags. Doch welcher Beruf bietet die Möglichkeit, nur mit dem Wesentlichen zu tun zu haben? Gibt es eine Möglichkeit, z.B. durch Vorlagen, Formulare die ungeliebten Aufgaben rascher zu erledigen? Vordrucke und Formulare, die immer wieder benötigt werden, können erstellt und dem gesamten Kollegium zugänglich gemacht werden.
  • Erstellen Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen und Kolleginnen einen Unterlagenpool. Der Austausch von Unterrichtsmaterialien und Praxistipps spart Zeit.
  • Neuen Lehrkräften an der Schule kann der Einstieg erleichtert werden, indem sie einen Mentor eine Mentorin zur Seite bekommen und über Regelungen, Besonderheiten des Unterrichts, der Organisation und der Verwaltung informiert werden.
  • Nehmen Sie die zeitlichen Abläufe an Ihrer Schule unter die Lupe und denken Sie über sinnvolle zeitliche Veränderungen im Tagesablauf nach. Spielraum dafür bietet die Schulautonomie.
  • Machen Sie Zeitgestaltung zum Thema der Schule, indem Sie das Thema auf verschiedenen Ebenen projektorientiert bearbeiten.

Zum Weiterlesen – Materialien von GIVE

Literatur:
KRETSCHMANN, Rudolf (2001): Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer. Ein Trainingsbuch mit Kopiervorlagen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

Bild: © I-vista / pixelio.de

Die Sonne genießen – mit dem richtigen Sonnenschutz

sunshades in summer

© Giovanni Cancemi – fotolia.com

Endlich kommt der Sommer und damit die Zeit, in der wir unbeschwert die Sonne genießen möchten. Licht und Wärme sind wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit. Allerdings werden die Gefahren des Sonnenbadens immer noch unterschätzt. Das zeigen die weiterhin steigenden Zahlen an Hautkrebserkrankungen in Europa. Es ist erwiesen, dass die Zahl der erlebten Sonnenbrände – ganz besonders in der Jugend – direkt mit dem Hautkrebsrisiko verbunden ist. Deshalb ist Sonnenschutz für Kinder ganz besonders wichtig! Ein vernünftiger Umgang mit der Sonne beugt der vorzeitigen Hautalterung und der Entstehung von Hautkrebs vor.

UV-Strahlung im Sonnenlicht
Das Sonnenlicht besteht zum Großteil aus ultravioletter Strahlung, die für Menschen unsichtbar ist. Das ist zum einen die kurzwellige UVB-Strahlung, die die Bräunung der Haut verursacht. Bräunung und gleichzeitige Verdickung sind Schutzmechnismen der Haut vor Sonnenstrahlung.

Die langwellige UVA-Strahlung kann tief in die Haut eindringen. Sie kann bei zu hoher Dosis zu Hautschädigungen wie vorzeitiger Hautalterung mit Faltenbildung führen und durch Schädigung der Hautzellen das Hautkrebsrisiko erhöhen. UVA-Strahlung ist bei Tageslicht immer präsent, auch bei bedecktem Himmel.

Der richtige Sonnenschutz
Die Haut besitzt einen gewissen Eigenschutz gegen schädigende UV-Strahlung, der je nach Hauttyp unterschiedlich lang ist. Sonnenschutz ist bei Aufenthalt in der Sonne aber für jeden Hauttyp unbedingt notwendig, um langfristige Schädigungen zu vermeiden.

Der einfachste und wichtigste Sonnenschutz ist Bekleidung. Wichtig ist: nicht alle Textilien halten Sonnenstrahlen gleichermaßen ab. Sonnenhut oder Kappe und Sonnenbrille bieten zusätzlichen Schutz für Kopf und Augen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Sonnenbrille nach ÖNORM EN 1836 geprüft ist, denn nur dann ist sie als Sonnenschutz geeignet.

Bei Aufenthalt im Freien ist die Verwendung einer Sonnenschutzcreme oder -milch notwendig. Wählen Sie einen Sonnenschutz, der sowohl vor UVB- als auch vor UVA-Stahlung schützt! Der Schutz vor UVB-Strahlung wird mit dem Lichtschutzfaktor (LSF), auch Sonnenschutzfaktor oder Sun Protection Factor (SPF) angegeben. Fachleute empfehlen mindestens einen LSF/SPF 15; dieser filtert mehr als 93% der UVB-Strahlung. Für Personen mit heller Haut oder bei sehr intensiver Sonnenstrahlung – z.B. am Wasser oder bei Schnee – ist jedoch ein höherer LSF empfehlenswert.

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UVA-Logo

Außerdem sollten Sonnenschutzprodukte unbedingt einen UVA-Filter enthalten. Solche Produkte sind an dem genormten UVA-Logo erkennbar (siehe links). Es ist EU-weit gesetzlich geregelt, dass der UVA-Schutz mit dem Lichtschutzfaktor steigen muss, d.h. je höher der LSF/SPF desto höher muss auch der UVA-Schutz sein. Der UVA-Schutzfaktor muss dabei mindestens 1/3 des ausgewiesenen LSF/SPF erreichen.

Der Lichtschutzfaktor von Sonnenschutzprodukten wird bei einer Auftragsmenge von 2mg pro 2cm2 Haut ermittelt. Wollte man diese Auftragsmenge im Alltag erreichen, würde das für einen erwachsenen Menschen etwa 37ml oder fast ein Fünftel einer handelsüblichen 200ml Flasche Sonnencreme bedeuten. Das ist in der Praxis unrealistisch, weshalb auch der angegebene Lichtschutzfaktor normalerweise nicht erreicht werden kann. Deshalb ist es sinnvoll, die berechneten Schutzzeiten (1) nicht komplett auszunutzen.

Sonnenschutzprodukte sollten immer mindestens 20 Minuten vor der Sonnenexposition aufgetragen werden. Regelmäßiges Nachcremen erhöht die Schutzzeit nicht! Nachcremen ist aber notwendig, weil Wasser, Schwitzen und das Reiben der Kleidung die Schutzschicht reduzieren.

Der beste Sonnenschutz ist ohnehin, pralle Sonne zu vermeiden oder die Zeit in der Sonne auf ein Mindestmass zu reduzieren. Eine sanfte Bräunung der Haut ist auch im Schatten möglich. Sonnenschirm oder Markise können UV-Strahlung jedoch nicht vollständig abhalten, deshalb die Sonnencreme auch hier nicht vergessen! So ist es möglich, sonnige, schöne Tage ohne Spätfolgen zu genießen.

Zum Weiterlesen:
Beitrag zum richtigen Sonnenschutz auf gesundheit.gv.at:
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/sonne-schutz.html

Informationen der Österreichischen Krebshilfe zum Thema Hautkrebs:
http://www.krebshilfe.net/information/krebsformen/hautkrebs/

Infobroschüre „Sonne ohne Reue“ der Österreichischen Krebshilfe (PDF):
http://www.krebshilfe.net/uploads/tx_brochure/Broschuere_Sonne_ohne_Reue__2016.pdf

Sonnenschutzinfos auf haut.de:
http://www.haut.de/haut/sonnenschutz/sonnenfreud-und-sonnenleid-sonnenschutz-haelt-die-haut-jung/

Weitere Quellen:
Levy, S.: Sunscreens and Photoprotection. Medscape.com
http://emedicine.medscape.com/article/1119992-overview#a1

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Häufig gestellte Fragen rund um das Thema Sonnenschutz
https://www.lgl.bayern.de/produkte/kosmetika/kosmetische_mittel/et_sonnenschutz_faq.htm

(1) Die ungefähre Zeit, die man in der Sonne verbringen kann, berechnet man, indem man den LSF des Produktes mit der Eigenschutzzeit je nach Hauttyp multipliziert.

Gesund unterwegs bei Wandertagen, Exkursionen und Projekttagen

blogbeitragwandern30mai2016

Bild: © GIVE – Servicestelle / CC BY-NC

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und damit kommt wieder die Zeit für Schulausflüge, Wandertage und Sportwochen. Sporttage eignen sich gut zum Kennenlernen von neuen Sportarten, die eine spezielle Aussrüstung oder ein besondere Umgebung benötigen. Sommersportwochen dienen der Ergänzung des lehrplanmäßigen Unterrichts und sollten daher auf den Jahresplan des Unterrichtsfachs „Bewegung und Sport“ der jeweiligen Klasse abgestimmt sein.

Gehen und Wandern sind optimale Bewegungsformen auch für sportlich wenig interessierte Kinder und Jugendliche und erfordern keine besonderen motorischen Voraussetzungen. Wandern und flottes Gehen haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit; sie stärken die Ausdauer und den Bewegungsapparat. Der Aufenthalt in der Natur fördert zudem erwiesenermaßen das Wohlbefinden und die Gesundheit. Und nicht zuletzt wirken das gemeinsame Gehen und Erleben positiv auf den sozialen Zusammenhalt und die Gemeinschaft der Klasse.

Wohin soll es gehen?
Das Wandern macht doppelt so viel Spaß, wenn ein attraktives Ziel winkt. Das kann ein Spielplatz, ein Badeteich, eine große Wiese mit ausreichend Platz für Ballspiele sein – oder auch eine Sehenswürdigkeit, ein Museum oder eine Ausstellung. Tipps für Ausflugsziele bieten z.B. www.schulausflug.at oder die Schulbroschüre der Österreichischen Nationalparks.

Geo Caching bietet eine weitere Möglichkeit, Wanderungen spannend und interessant zu gestalten. Geo Caching ist eine Art Schatzsuche mit Hilfe eines GPS-Gerätes. Nachdem man sich in der Geocache-Datenbank registriert hat, kann man geeignete Geocaches auswählen und die Koordinaten auf das GPS-Gerät übertragen. Mit Hilfe des Geräts und der Koordinaten macht man sich nun auf die Suche nach dem „Schatz“, meistens eine Box mit Notizbuch, in das man sich eintragen kann, und eventuell weiteren Hinweisen.

Gerüstet für alle Fälle
Lehrkräfte und Begleitpersonen sollten auch bei leichten Wanderungen für Notfälle gerüstet sein. So ist es sinnvoll, eine zusätzliche Wasserflasche und eventuell ein extra Päckchen Traubenzucker dabei zu haben – für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die ihr Jausenpaket vergessen haben.

Ein Erste Hilfe-Paket muss unbedingt in den Rucksack. Es soll Verbandszeug wie Wundauflagen, Mullbinden und Pflasterstrips enthalten, außerdem Dreiecktücher zum Stabilisieren verletzter Gliedmaßen und ein Sofort-Kältepack zum Kühlen von Prellungen u.ä. Unverzichtbar sind auch Einweg-Handschuhe. Die komplette Ausstattung einer Erste Hilfe-Tasche für Wandertage findet sich unter: www.erstehilfefit.at (PDF, ab Seite 14). Wer sich in Erster Hilfe nicht ganz sattelfest fühlt, kann z.B. in einem e-Learning-Kurs die Kenntnisse auffrischen.

Auch bei einfachen und gut beschilderten Wanderungen kann es passieren, dass man eine falsche Abzweigung erwischt oder sich verirrt. Deshalb gehört eine gute Wanderkarte unbedingt in das Gepäck. Den richtigen Umgang mit Karten und die Orientierung im Gelände kann man mit Hilfe des e-Learning Moduls „Kartenkunde und Orientierung” des VAVÖ und der österreichischen Bundessportakademien üben.

Schulrechtliche Hintergründe
Wander- oder Sporttage, Projektwochen und Exkursionen sind Schulveranstaltungen und damit grundsätzlich verpflichtend. Wichtig ist, für eine angemessene Begleitung zu sorgen. Ist bei den Projekttagen die Ausübung bestimmter Sportarten geplant, so müssen die begleitenden Lehrkräfte eine entsprechende Qualifikation besitzen. Auch die Anzahl der Begleitpersonen muss bedacht werden, sie hängt vom Inhalt der jeweiligen Veranstaltung ab. Für Veranstaltungen mit bewegungsspezifischen Inhalten wie Sport- oder Wandertagen ist ab 12-15 Schülern und Schülerinnen eine weitere Begleitperson notwendig. Rechtzeitige Information der Schülerinnen und Schüler bzw. der Eltern und Erziehungsberechtigen über die geplante Veranstaltung, den Termin, die Dauer und eventuell anfallende Kosten versteht sich von selbst. Sinnvoll ist es, schon im Vorfeld zu vereinbaren, was Schüler/innen tun sollen, wenn sie zu spät zum Treffpunkt kommen, bzw. wie sich sich verhalten sollen, wenn sie von der Gruppe getrennt werden. Mehr zu den schulrechtlichen Regelungen in den Informationsblättern zum Schulrecht, Teil 5: Schulveranstaltungen (PDF).

Zum Weiterlesen:
Studie „Naturerleben und Gesundheit“: http://www.wasser-wege.at/gesundheit/
Gesundheit.gv.at „Gehen & Wandern“: https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/Wandern.html
GIVE-Infomaterialien „Sommer, Sonne & Gesundheit“ (PDF): http://www.give.or.at/fileadmin/media/download/download_infoseiten/GIVE_SommerSonneGesundheit_akt2016.pdf

Der Einsatz von Serious Games im Gesundheitsbereich

Jugendliche spielen mit Spielkonsole

© Sergey Novikov/Fotolia.com

Spielen ist eine freiwillige Handlung, die in einem gewissen Gegensatz zur Ernsthaftigkeit und Kompetenzorientierung von Bildung und Lernen steht. Reicht es aus, Lernmedien wie Spiele zu gestalten, um deren Erfolg zu garantieren? Kann durch Lernspiele die Freude am und die Motivation zu Lernen erhöht werden? Ist es möglich Inhalte und Lösungswege durch Spielformate besser verständlich zu machen?
Folgender Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Chancen und Grenzen von Serious Games im Gesundheitsbereich.

Bedeutung von Computerspielen
Der Anteil an Menschen, die Computerspiele spielen, ist in allen Altersgruppen im Steigen begriffen. Online- oder Offlinespiele, mit Konsole oder auf dem PC, Smartphone oder Handy – das Angebot an Spielen ist vielfältig und groß wie nie zuvor. Die Motivation, derartige Spiele zu nutzen, ist unterschiedlich. Zum einen ist es der Reiz des Wettbewerbs und des Gewinnens bzw. Verlierens, zum anderen die Möglichkeit dem Alltag zu entfliehen, in eine fiktive Welt einzutauchen und Stress abzubauen. In den letzten Jahren sind Computer- und Onlinespiel immer wieder in Verruf geraten, v.a. wegen gewalttätiger Inhalte, Verhaltensveränderungen bei den Spielern (z.B. Realitätsverlust, Isolierung) oder dem Auftreten von Suchterscheinungen bei exzessiver Nutzung. Gleichzeitig stieg aber das Interesse und Angebot an digitalen Spielanwendungen und deren Einsetzbarkeit als Informations- und Lernmedium im Bildungsbereich. Beispiele dafür sind digitale Lernspiele in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, Vokabellernspiele, Wirtschafts- und Politikplanspiele.

Spiele als Lehrmethode
Aufgrund der weiten Verbreitung und hohen Attraktivität von Computer- und Online-Spielen aller Art, entstanden Bestrebungen, Spielelemente (z.B. Missions, Ranglisten, Fortschrittsbalken, Auszeichnungen) in einem spielfremden Kontext zu verwenden (= Gamification). Das Angebot an digitalen Lernspielen, welche Elemente der klassischen Computerspiele verwenden, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Digital Game-Based Learning, Educational Video Games oder Serious Games entstanden. Serious Games sind auch für die Gesundheitsförderung interessant; sie haben folgende Merkmale (zit. nach TOLKS, LAMPERT 2016):

  • Die Intention des Spieles ist die Vermittlung von Inhalten, die nicht primär der Unterhaltung dienen.
  • Das Spiel muss einen pädagogischen Inhalt besitzen.
  • Der pädagogische Inhalt muss sich dem Unterhaltungsfaktor unterordnen.
  • Das Spiel muss auf mindestens ein Lernziel abzielen.

Über die Langzeitwirkung bzw. den Nutzen von digitalen Lernspielen kann nur spekuliert werden. Experten sind sich einig, dass Serious Games wenig Erfolg haben werden, solange das Lernziel offensichtlich ist, der Spaßfaktor und das eigentliche Spiel zu kurz kommen und das Ganze die Spielenden nicht zu motivieren vermag. Für die Entwicklung guter Lernspiele braucht es daher einerseits das Know-How, wie ein spannendes, unterhaltsames und fesselndes Spiel aussehen muss, und andererseits eine moderne technische und grafische Aufbereitung.

Health Games als Tool der Gesundheitsförderung
Health Games kommen in verschiedenen Bereichen zum Einsatz, wie z.B. in der Therapie zur Unterstützung des gesundheitlichen Selbstmanagements, der Gesundheitsförderung oder Prävention. Sie sind eine spezielle Form von Serious Games. Es werden folgende vier Arten von gesundheitsrelevanten Spielen unterschieden (zit. nach LAMPERT/TOLKS):

  • Computerspiele, die nicht zwingend einen Gesundheitsbezug haben müssen, jedoch in einem Gesundheitskontext eingesetzt werden, um z.B. von gesundheitlichen Beeinträchtigungen abzulenken.
  • Computerspiele, die den Spielern oder Patienten auffordern, sich zu bewegen. Diese Spiele werden auch als „Exergames“ (Exercise + Games) bezeichnet, z.B. Wii fit (Ninetendo). Das Spielgeschehen wird über den Körpereinsatz gesteuert.
  • Spielerische Anwendungen, mittels derer sich die eigene physische oder psychische Fitness messen und trainieren lassen, z.B. Gedächtnistrainer oder Trainingsprogramme zum Abnehmen.

Damit diese Spiele genutzt werden, ist ein grundsätzliches Interesse der Spielenden am jeweiligen Gesundheitsthema Voraussetzung. Gleichzeitig stehen Health Games in Konkurrenz zu zahlreichen (kostenlosen) Spielangeboten mit hohem Unterhaltungswert.
In der Diskussion über den sinnvollen Einsatz von Health Games in der Gesundheitsförderung gibt es derzeit noch einige offene Fragen, die geklärt werden müssen:

  • Kann es gelingen, Spiele, die einen gewissen Lernzwecks und Kompetenzzuwachs garantieren sollen, so zu konzipieren, dass der eigentliche Spielcharakter und somit die Motivation der Spielenden und die Freude am Spiel aufrechterhalten bleibt?
  • Können Serious Games herkömmlich Lehrmethoden, z.B. im Unterricht, ersetzen? Wo liegen die Grenzen?
  • Ist es möglich Lerneffekte, die sich beim Spielen automatisch einstellen, gezielt zu nutzen?
    Sind Serious Games überhaupt in der Lage, die Nutzenden in den Zustand der Selbstvergessenheit zu versetzen, der den Reiz vieler Spiele ausmacht?

Wie nachhaltig sind Health Games in ihrer Wirkung z.B. auf das Gesundheitsverhalten?
Eine gute Zusammenfassung des aktuellen Wissenstands bietet das Buch Gesundheit spielend fördern. Potenziale und Herausforderungen von digitalen Spielanwendungen für die Gesundheitsförderung und Prävention.

Linktipps zum Thema Digitale Spiel und Health Games:
Games4Health – Plattform zum health gaming:
http://www.games4health.net/

Eine Übersicht an aktuell verfügbaren digitaler Lernspiele:
www.seriousgames.de

Online-Kompetenzplattform für Medienpädagogik in der Digitalen Spielekultur: https://digitale-spielewelten.de/

Informationen rund um das Thema Digitale Spiele sowie deren Einsatz im Unterricht :
https://www.saferinternet.at/digitale-spiele/

Literatur
SCHMIDT, Torben/SCHMIDT, Inke/SCHMIDT, René (2016): Digitales Spielen und Lernen – A Perfect Match? Pädagogische Betrachtungen vom kindlichen Spiel zum digitalen Lernspiel. In: DADACZYNSKI, Kevin/SCHIEMANN, Stephan/PAULUS, Peter (Hrsg. 2016): Gesundheit spielend fördern. Potenziale und Herausforderungen von digitalen Spielanwendungen für die Gesundheitsförderung und Prävention. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 18-49.

FEIERABEND, Sabine/KARG, Ulrike/RATHGEB, Thomas (2016): Die Bedeutung digitaler Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Verbreitung, Nutzung und Zusammenhänge. In: DADACZYNSKI, Kevin/SCHIEMANN, Stephan/PAULUS, Peter (Hrsg. 2016): Gesundheit spielend fördern. Potenziale und Herausforderungen von digitalen Spielanwendungen für die Gesundheitsförderung und Prävention. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 98-114.

RITTERFELD, Ute (2016): Von video games zu health gaming. Eine Einführung. In: DADACZYNSKI, Kevin/SCHIEMANN, Stephan/PAULUS, Peter (Hrsg. 2016): Gesundheit spielend fördern. Potenziale und Herausforderungen von digitalen Spielanwendungen für die Gesundheitsförderung und Prävention. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 173-190.

TOLKS, Daniel/LAMPERT, Claudia (2016): Abgrenzung von Serious Games zu anderen Lehr- und Lernkonzepten. In: DADACZYNSKI, Kevin/SCHIEMANN, Stephan/PAULUS, Peter (Hrsg. 2016): Gesundheit spielend fördern. Potenziale und Herausforderungen von digitalen Spielanwendungen für die Gesundheitsförderung und Prävention. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 191-216.

LAMPERT, Claudia/TOLKS, Daniel (2016): Grundtypologie von digitalen Spielanwendungen im Bereich Gesundheit. In: DADACZYNSKI, Kevin/SCHIEMANN, Stephan/PAULUS, Peter (Hrsg. 2016): Gesundheit spielend fördern. Potenziale und Herausforderungen von digitalen Spielanwendungen für die Gesundheitsförderung und Prävention. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 218-233.

Shot of two girls hugging in a classroom

Chronisch kranke Kinder in der Schule

Fachleute schätzen, dass rund 15% aller Kinder von chronischen Erkrankungen betroffen sind. Auch diese Kindern haben ein Recht auf den Besuch einer Schule. Chronisch kranke Kindern sind in der Regel in medizinische Behandlung und die meisten können mit ihrer Erkrankung umgehen, sodass sie im Alltag gut zurecht kommen. Diese Kinder möchten keine Sonderstellung in der Klasse einnehmen, sondern so weit wie möglich am alltäglichen Klassenleben teilnehmen. Sie benötigen dennoch Verständnis für ihre Lage, eventuell Unterstützung oder Ermutigung bei der Therapie und gelegentlich Ausnahmeregelungen und Rücksichtnahme auf krankheitsspezifische Einschränkungen.

Lehrer und Lehrerinnen müssen deshalb über die Erkrankung eines Schülers, einer Schülerin Bescheid wissen. Sie sollten wissen, ob es Situationen gibt, die die betroffenen Schüler/innen eher meiden sollen – etwa Aufenthalte im Freien bei Allergikern oder Höhen über 1 m bei Epilepsie-Erkrankten. Therapeutische Maßnahmen – z.B. die Einnahme von Medikamenten, Essen – während des Unterrichts sollte ermöglicht werden; gegebenenfalls können Lehrkräfte die Kinder auch daran erinnern oder sie dazu ermutigen, ihre Medikamente zu nehmen. Lehrerinnen und Lehrer sollten über krankheitsspezifische Notfälle Bescheid wissen und die ersten Anzeichen dafür kennen. Sinnvoll ist es auch, in der Schule oder im Klassenzimmer Notfallmedikamente vorrätig zu haben und sich mit der richtigen Anwendung auszukennen – natülich immer in Absprache mit dem Kind oder Jugendlichen, der Familie und den behandelnden Ärzten.

Es gibt viele chronische Erkankungen. Zu den bekanntesten zählt Diabetes, aber auch Asthma und Epilepsie sind relativ häufig. Eine Übersicht über mögliche chronische Krankheiten finden sich in im Leitfaden „Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Erkrankung“ (LBIHPR 2011). Zu den meisten chronischen Erkrankungen gibt es Vereinigungen Betroffener und Selbshilfegruppen, in denen viel Wissen zur Krankheit und zum Umgang damit vorhanden ist. Viele stehen auch für Fragen von Schulen bzw. Lehrer/innen offen, einige haben spezielle Informationen für die Lehrkräfte von betroffenen Kindern im Angebot.

Materialien & Linktipps:

Chronisch kranke Kinder und Schule:
LBIHPR (2011): Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Erkrankung und/oder einem speziellen Versorgungsbedarf. Leitfaden für österreichische LehrerInnen und SchulleiterInnen.
http://www.gesundeschule.at/wp-content/uploads/2011-KU-Leitfaden-chronische-Erkrankungen.pdf

Damm, L.: Chronisch kranke Kinder im Schulalltag. Probleme und Persepktiven. http://volksanwaltschaft.gv.at/downloads/2e9s7/DAMM_Unterlagen.pdf

BZgA (Hrsg.): Chronische Erkrankungen als Problem und Thema in Schule und Unterricht.
http://www.bzga.de/infomaterialien/unterrichtsmaterialien/?idx=625

Durlach, F. u.a. (2007): Aktiv statt Attest. Das chronisch kranke Kind im Schulsport. Eine Handreichung für Ärzte, Sportlehrer und Eltern.
http://www.lsr-bgld.gv.at/fileadmin/LSR/Schulmedizin/Das%20chronisch%20kranke%20Kind%20im%20Schulsport/Das%20chronisch%20kranke%20Kind%20im%20Schulsport.pdf

Asthma, Allergien:
Asthmaschulung – Informationen des KH Schwarzach zum Umgang mit Asthma
http://www.asthmaschulung.at/

Präventions- und Informationsnetzwerk Asthma/Allergie (2007): Infomappe Asthma, Allergie & Schule.
http://www.pina-infoline.de/aktion_schule/index.htm

Diabetes:
Österreichische Diabetikervereiningung – Bereich Kinder/Jugend
http://www.diabetes.or.at/kinderjugend.html

Projekt Diabetes-Nanny (Salzburg und Tirol) und Mobile Beratung (Wien) – bieten Information und Schulung für Lehrkräfte von betroffenen Kindern:
http://www.diabetes.or.at/kinderjugend/diabetes-nanny-service.html#c1662

Epilepsie:
Epilepsie Dachverband Österreich
http://www.epilepsie.at/php/portal.php

Epilepsie und Arbeit – Institut für Epilepsie IFE gemeinnützige GmbH:
http://www.epilepsieundarbeit.at/

Leitlinie Epilespie und Arbeits
http://www.epilepsieundarbeit.at/uploads/media/eua_leitlinie.pdf

Epilepsie-Fragebogen für Eltern und Pädagogen
http://www.epilepsieundarbeit.at/uploads/Paedagoginnen-Eltern-Gespraech.pdf

Tumorerkrankte Kinder:
Kinderkrebshilfe: Informationen für Schulen unter
http://www.kinderkrebshilfe.at/ich-suche-hilfe/information/fuer-schulen

Broschüre der Kinderkrebshilfe „FIT für die Schule. Schulische Integration von Kindern mit einem Hirntumor. Gesetzliche Grundlagen und Unterstützungsmöglichkeiten“.
http://www.kinderkrebshilfe.at/MDB/pdf/26_FIT_fFCr_die_Schule_WEB_27August2013.pdf

Informationsbroschüre für Eltern und Lehrkräfte, Hrsg. vom Bundesverband Neurofibromatose (Deutschland): „Wege durch die Schule“.
http://www.bv-nf.de/images/images/publikationen/wege-durch-die-schule-2013.pdf

Bild: © Photographee.eu / Fotolia.com

Schulische Gesundheitsförderung in der Praxis

LBIHPR (2015): Kontext und Praxis schulischer GesundheitsförderungDer Forschungsbericht „Kontext und Praxis der schulischen Gesundheitsförderung“ des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesundheitsförderungsforschung (LBIHPR) fasst die Ergebnisse einer Schulleiter/innen-Befragung aus dem Jahr 2014 zusammen. Über 800 Schulen unterschiedlicher Schultypen und aus ganz Österreich nahmen an dieser Befragung zu Rahmenbedingungen, Strategien und Erfahrungen mit Gesundheitsförderung teil. Die Untersuchung schloß zum Teil an eine Befragung im Jahr 2010 an, sodass Veränderungen nachverfolgt werden konnten.

Die Strukturen und Rahmenbedingungen für Schulen werden überwiegend als gut eingeschätzt. Problematisch wird in vielen Fällen der Straßenverkehr sowie Verschmutzung und Müll im Schulumfeld beurteilt. Die innerschulische Infratruktur, z.B. Räumlichkeiten, Ausstattung, Sanitätanlagen, bewerten die meisten Schulen positiv; hier zeigt sich auch eine Verbesserung gegenüber 2010.

Überwiegend positiv beurteilt wird auch das soziale Klima in den Schulen, besonders was das Klima unter den Lehrer/innen betrifft. Bullying, also systematisches Hänseln oder Mobbing unter Schüler/innen, wird von etlichen Schulleiter/innen als Problem benannt. Diese Leiter/innen beurteilen auch das soziale Klima in ihrer Schule als schlechter.

In fast allen befragten Schulen gibt es Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Am häufigsten (67%) sind die Schüler/innen die Zielgruppe dieser Maßnahmen, immerhin ein Viertel setzt auch Angebote für Lehrer/innen um. Die am öftesten bearbeiteten Themen sind – erwartungsgemäß – Ernährung und Bewegung, selten dagegen werden Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit umgesetzt.

An vielen Schulen sind gesundheitsförderliche Strukturen vorhanden und gut etabliert, am häufigsten genannt wurden „fächer- und klassenübergreifende Zusammenarbeit“ und ein abgestimmter Weiterbildungsplan für die Lehrkräfte; beides sind Maßnahmen, die sowohl für Schulentwicklung als auch Gesundheitsförderung sinnvoll sind. Weit verbreitet sind auch Maßnahmen zur Pausengestaltung wie Pausen- und Bewegungsräume (66%), das Achten auf adäquate Pausen für Lehrkräfte (63%) oder ein Schulbuffet mit einem gesunden und ausgewogenen Angebot (51%). Dagegen sind Peer-Mediation für Schüler/innen (24%) oder Supervisionsangebote für Lehrer/innen (17%) nur in wenigen Schulen vorhanden.

Fast die Hälfte alle befragten Schulen setzt Gesundheitsförderung im Rahmen von gelegentlichen Gesundheitsprojekten um, rund ein Viertel führt Gesundheitsförderungsprojekte regelmäßig durch. Immerhin 20% der Schulleitungen geben an, Gesundheitsförderung systematisch mit Schulentwicklung und Schulmanagement zu verknüpfen.

Die Autorinnen und Autoren des Forschungsberichts ziehen insgesamt eine positive Bilanz der Entwicklung schulischer Gesundheitsförderung: Maßnahmen, Angebote und Bewusstseinsbildung der vergangenen Jahre zeigen Wirkung! Die Untersuchung zeigt jedoch auch Diskussionspunkte auf: So scheint etwa – unabhängig vom Schultyp – Bullying an vielen Schulen ein Problem zu sein, auf das die vorhandenen Gesundheitsförderungsmaßnahmen derzeit noch selten eingehen. Auch die wenig überraschende Fokussierung auf die klassischen Gesundheitsthemen Ernährung und Bewegung sowie auf die Zielgruppe Schüler/innen regt zu Überlegungen an, was Schulen brauchen, um Gesundheitsförderung vielfältiger umsetzen zu können.

Teutsch, F. u.a. (2015): Kontext und Praxis schulischer Gesundheitsförderung. Ergebnisse der österreichsichen Schulleiter/innenberfargung 2014. Wien: LBIHPR Forschungsbericht.

Der ganze Forschungsbericht zum Nachlesen: http://www.gesundeschule.at/wp-content/uploads/Kontext-und-Praxis-schulischer-GF.pdf

Prävention von HIV/AIDS – nach wie vor ein wichtiges Thema schulischer Sexualerziehung

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Bild: © rcfotostock/Fotolia.com

HIV/AIDS-Prävention ist neben der Prävention anderer sexuell übertragbarer Krankheiten ein wichtiges Thema schulischer Sexualerziehung. Sie hat das Ziel, aufzuklären und Risikoverhalten bei jungen Menschen zu minimieren. Erfolgreiche Präventionsarbeit berücksichtigt die Wünsche, Bedürfnisse und Lebenslagen der Zielgruppe. Gleichzeitig muss sie darauf achten, die Diskriminierung Betroffener und potentiell Betroffener zu vermeiden. Denn Angst vor Diskriminierung und Bloßstellung kann die Bereitschaft reduzieren, sich zu informieren, sich testen oder beraten zu lassen. Die Bereitstellung von kostenlosen und anonymen Angebote wie die der Aidshilfen Österreichs sind deshalb wichtig.

Wie funktioniert moderne HIV-Prävention?

Moderne HIV-Prävention orientiert sich an der sozialen und materiellen Lage der Zielgruppe. Trends und Veränderungen im Freizeitverhalten der Zielgruppen finden Berücksichtigung, indem risikoarme Verhaltensweisen präsentiert werden.

Informationsvermittlung & Reduktion von Risikoverhalten
Plakataktionen, Kampagnen und Broschüren alleine sind zu wenig. Angebote zur HIV-Prävention für Jugendliche sollten in ein sexualpädagogisches Konzept der Schule eingebettet sein. Workshops, Vorträge und Co. können

  • Informationen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Sexualität vermitteln
  • das Fakten-Wissen der Jugendlichen erweitern
  • und das Risikobewusstsein und risikoarme Verhaltensweisen bei Jugendlichen fördern.

 Wirksamer Schutz durch Kondome
Die Verwendung von Kondomen ist noch immer die wirksamste Maßnahme, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Gleichzeitig bieten sie wirksamen Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften. Mittlerweile werden auch Medikamente angeboten, die präventiv (PreP = Präexpositionsprophylaxe) oder im Anlassfall (PEP = Postexpositionsprophylaxe) als sogenannte Pille danach zum Einsatz kommen. Sie bieten allerdings, wie Fachleute betonen, keinen Ersatz für Kondome, sondern sind eine zusätzliche Schutzmöglichkeit für besondere Risikogruppen. Mehr dazu hier.

Was sollten Schulen bei der HIV-Prävention beachten?

Die Schule ist ein wichtiger Ort, um Jugendlichen niederschwellig Informationen rund um das Thema HIV und Aids zu vermitteln. Manchmal wird dies durch verschiedene kulturelle Hintergründe und Wertevorstellungen erschwert. Umso wichtiger ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer sich entsprechend vorbereiten und bei Bedarf Kontakt mit Fachleuten aufnehmen. Kompetente Ansprechpartner in diesen Fragen sind z.B. die Expertinnen und Experten bei den Aidshilfen Österreichs.

Ansatzpunkte für Schulen:

  • Den Jugendlichen aktuelle Informationen über HIV und dessen Übertragungswege bieten.
  • Risiken, Risikoverhalten und einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper thematisieren.
  • Bei der Informationsvermittlung auf die Lebensrealität der Jugendlichen eingehen.
  • Im Zusammenhang mit Verhütungsmitteln Informationen über die Anwendung, Erhältlichkeit, Vor- und Nachteile und Kosten vermitteln.
  • Mit den Schülerinnen und Schülern besprechen, dass Verhütung nicht in der Verantwortung der Frau oder des Mannes liegt, sondern eine Sache ist, an der beide beteiligt sind.
  • Mit den Schülerinnen und Schülern Gerüchte und Mythen rund um Sexualität (z.B. über Verhütungsmittel und/oder sexuell übertragbare Krankheiten) sammeln und Fehlinformationen aufklären.
  • Den Schülerinnen und Schülern eine Liste an Organisationen und seriösen Internetquellen zur Verfügung stellen, die ihnen bei Fragen und Problemen weiterhelfen können.

HIV/AIDS-Prävention soll immer als ein Teil umfassender Sexualerziehung an Schulen stattfinden, um nicht nur die „negativen Aspekte“ von Sexualität hervorzuheben, sondern Themen wie Beziehungen, Partnerschaft, gegenseitige Achtung und Respekt in den Mittelpunkt zu stellen.

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