Ungesunde und absurde Körpertrends im Internet – welche Gefahr geht von ihnen aus?

Mädchen in Jeans sitzt im Schneidersitz auf dem Boden, darüber der Schriftzug "Ich mag mich"Belly-Button-, Thigh Gap-, Bikini Bridge- oder Collarbone-Challenge sind nur eine kleine Auswahl an Körpertrends, die im Internet kursieren. Mittels Videos oder Fotos können sich Internetuserinnen daran beteiligen. Auf den ersten Blick haben die geposteten Bilder eines gemeinsam: die dargestellten Körper sind in den meisten Fällen extrem dünn. Gleichzeitig bieten Soziale Medien wie Facebook oder WhatsApp eine Plattform für Gruppen, die sich dem Abnehmen und Hungern um jeden Preis verschworen haben. Ihre Mitglieder werden durch strenge Gruppenregeln teilweise großem Druck ausgesetzt.

Essstörungsbewegungen im Internet – Von Pro-Ana/Mia-Websites …
Die Diskussion um die negative und verstärkende Wirkung von Essstörungsbewegungen im Internet ist mittlerweile über ein Jahrzehnt alt. Vor ca. 15 Jahren sind diese Pro-Ana (Magersucht) und Pro-Mia (Bulimie) Bewegungen v.a. aus Amerika kommend im deutschsprachigen Raum aufgetaucht. Zu Beginn waren es in erster Linie Foren, Chats oder Blogs, die von Betroffenen genutzt wurden, um sich zu vernetzen und auf Gleichgesinnte (Betroffene) zu treffen. Die Userinnen stellen beispielsweise tagebuchartige Protokolle online, tauschen sich über Nicht-Essenslisten aus und geben sich gegenseitig Tipps, wie der Gewichtsverlust unterstützt werden kann. Eine eigene Welt wird konstruiert, in der Abnehmen und Hungern lebensbestimmend geworden sind.

… zu WhatsApp-Gruppen
Mittlerweile sind diese Bewegungen in den Sozialen Medien angekommen. Saferinternet.at unterscheidet zwischen öffentlichen und geschlossen Angeboten im Netz. Zu den öffentlichen zählen beispielsweise myblog, YouTube, Instagram, Twitter. Geschlossene Gruppen finden sich auf Facebook, Skype oder WhatsApp. Insbesondere die geschlossenen Gruppen sind als problematisch zu beurteilen. Hier wird häufig enormer Druck auf die Mitglieder ausgeübt, wenn sie beispielsweise die Spielregeln nicht einhalten oder nicht regelmäßig Fotos ihres halbnackten Körpers online stellen bzw. an den Gruppenleiter schicken. Saferintenet.at warnt zudem davor, dass sogenannte „Essstörungscoaches“ auch Pädophile sein können, die Pro-Ana-Bewegungen ausnutzen, um an Nacktfotos junger Mädchen zu gelangen.

Wie soll man mit damit umgehen und was bedeutet das für die Prävention?
Die verschiedenen Formen von Essstörungen sind hochkomplexe Krankheitsbilder, die durch eine Vielzahl an externen und internen Einflussfaktoren beeinflusst werden. Die Krankheit hat für Betroffene eine wichtige Funktion, z.B. um Druck abzubauen, mit Frust umzugehen oder Gefühle unter Kontrolle zu bringen

Wir haben bei den Expertinnen der Hotline für Essstörungen in der Wiener Gesundheitsförderung nachgefragt und sie um ihre Einschätzung zum Thema „Essstörungen und Internet“ gebeten:

GIVE: Wie groß ist die Gefahr, dass sich junge Menschen durch diese Bewegungen im Netz unter Druck gesetzt fühlen oder gar in eine Essstörung rutschen? Eifern junge Menschen diesen extremen Körperidealen nach oder handelt es sich lediglich um eine Art der Selbstinszenierung?

Hotline für Essstörungen: In schwierigen Entwicklungsphasen neigen Menschen dazu, sich von inneren Haltungen und Werten wegzubewegen und sich an Äußerlichkeiten zu orientieren. Gerade junge Menschen in vulnerablen Phasen wie der Pubertät oder in Stresssituationen sind oft sehr empfänglich für Bilder, die eine “geschönte„ und “geglättete“ Wirklichkeit vorgaukeln. Sie suchen Antworten auf Fragen, denen Erwachsene möglicherweise keine oder wenig Aufmerksamkeit schenken. Sie sind auf der Suche nach identitätsstiftenden Inhalten, die über die online-Bilderwelt vor allem schnell und einfach verfügbar sind. Allerdings: um eine Essstörung zu entwickeln, braucht es mehr als solche Bilder. Der stetige Vergleich mit dieser scheinbar perfekten Realität kann allerdings massiv verunsichern und so den Boden für die Entwicklung eines krankhaften Essverhaltens bereiten. Denn mit den Bildern werden Botschaften von Anerkennung, Wertschätzung (z.B.: Anzahl der „Likes“ und „Follower“) und schneller Problemlösung suggeriert, die Jugendlichen mit einem labilen Selbstwert eine scheinbare Bestätigung und trügerischen Halt geben.

GIVE: Machen diese Trends und Bewegungen Gefährdete oder Betroffene erst so richtig krank?

Hotline für Essstörungen: Wo die Grenze zwischen harmloser Selbstinszenierung und krankhaftem Verhalten exakt verläuft, ist nur schwer festzustellen. Der Übergang ist meist fließend. Das Krankhafte ist am ehesten daran festzumachen, dass das Blickfeld bzw. die Gedankenwelt der Betroffenen stark eingeschränkt ist. Das Team in der Hotline für Essstörungen hört immer wieder von jugendlichen Betroffenen, die über den Wunsch abzunehmen einer der vielen Whats App-Gruppen beigetreten sind. Diese ähneln in ihrem Aufbau oft Pro-Ana-Websites. Über strenge Regeln, Essensvorschriften, Kalorientabellen und tägliche Fotos von Bauch oder Beinen wird Druck auf die Betroffenen ausgeübt, die scheinbar alles machen, um in der Gruppe bleiben zu dürfen. Im Gegenzug erfahren die Betroffenen Zugehörigkeit, die sie in ihrem Lebensalltag oft vermissen oder vermeiden. Die Whats App-Gruppe wird zum Beziehungsersatz. Darüber hinaus werden kaum noch andere Dinge wahrgenommen und der Lebensalltag wird über die visuellen Reize und die Auseinandersetzung mit der virtuellen Welt bestimmt. In diesem Fall kann man dann tatsächlich von einem pathologischen Verhalten sprechen.

GIVE: Und was bedeutet das für die Prävention? Wie soll mit diesen Entwicklungen im Internet und den Sozialen Medien umgegangen werden?

Hotline für Essstörungen: Verbote bringen diesbezüglich nichts. Aber es ist wichtig, einen achtsamen Umgang mit Sozialen Medien zu lernen und zu lehren. So kann eine wachsende kritische Auseinandersetzung mit Sozialen Medien, gemeinsam mit einem protektiven sozialen Umfeld, den Selbstwert stärken. Dies kann darin unterstützen, dass geschönte Bilder- und Scheinwelten kein pathologischer Teil des körperbezogenen Selbstkonzeptes werden.
Die Hotline für Essstörungen bietet Workshops für MultiplikatorInnen im außerschulischen Jugendbereich an, um die Problematik zu thematisieren und dafür zu sensibilisieren. Jugendzentren sind eine ganz wichtige Anlaufstelle für viele Jugendliche und stellen so auch eine Drehscheibe für eine kritische Auseinandersetzung dar. Jene, die im Bereich der außerschulischen Jugendarbeit tätig sind, erleben die Konflikte und Herausforderungen der Jugendlichen hautnah. In diesem Bereich gibt es bereits viel Wissen und Erfahrung darüber, wo es Unterstützung braucht.
Um tatsächlich präventiv adäquat mit diesen Entwicklungen mitgehen zu können und möglicherweise gegenzusteuern, ist es notwendig, dass auch die älteren Generationen sich über den Umgang mit Sozialen Medien und mit den Möglichkeiten und Gefahren, die durch sie entstehen, informieren. Dadurch kann generationsübergreifender Austausch stattfinden und der gegenseitige Erfahrungswert als Ressource dienen. Dies kann Kommunikation fördern, Beziehung schaffen und Ängste nehmen.

GIVE: Können diese Onlinekontakte und der Austausch übers Internet auch Positives bewirken, wenn es um Unterstützung und Beratung geht?

Hotline für Essstörungen: Die Möglichkeiten der Sozialen Medien umfassen sowohl Negatives als auch Positives. So schnell sich “thinspiration“-Bilder vermehren – es gibt auch genauso schnelle Gegenbewegungen, die “normale“ Körper verbreiten, wie etwa die bodypositivity-Bewegung (www.thebodypositive.org) aus den USA. Es gibt Foren, die wir in unseren Beratungen nennen, die von fachlich geschulten Personen moderiert werden, um einen Austausch und Wege aus der Essstörung zu ermöglichen, wie etwa (www.hungrig-online.de) oder (www.bulimie.at). Es werden Gruppen und Blogs angeboten, in denen sich Betroffene gegenseitig unterstützen und ermutigen, Hilfe anzunehmen, aber auch webbasierte Hilfsprogramme, die sich die sozialen Netzwerke zunutze machen, um präventiv mit Jugendlichen arbeiten zu können.

Angebote von GIVE:
GIVE-Materialien Prävention von Essstörungen (PDF)
GIVE-Materialien Zu dick, zu dünn oder gerade richtig? Förderung positiver Körperbilder – Anregungen für Schulen (PDF)
GIVE-Onlinethema Muskelkult – Leistungssteigerung und Selbstoptimierung bei Männern

Angebote Essstörungshotline:Kontaktdaten der Hotline für Essstörungen
Die Hotline für Essstörungen www.essstoerungshotline.at in der Wiener Gesundheitsförderung bietet anonym, kostenlos und bundesweit Beratung für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Unter der Telefonnummer 0800 20 11 20 ist Montag bis Donnerstag (ausgenommen Feiertage) von 12 bis 17 Uhr telefonische Beratung möglich. Die E-Mail Beratung hilfe@essstoerungshotline.at kann rund um die Uhr genutzt werden.

Bilder: © Hotline für Essstörungen

Die rauchfreie Schule

cigarette-666937_640Seit mehr als 10 Jahren ist in Österreich ein absolutes Rauchverbot für öffentliche Gebäude in Kraft. Dieses Rauchverbot gilt selbstverständlich auch für Schulen. Das Rauchen ist für alle Personen, die sich im Schulgebäude aufhalten, untersagt, also nicht nur für Schüler und Schülerinnen, denen schon auf Grund der Schulordnung das Rauchen verboten ist, sondern auch für Lehrkräfte, nicht unterrichtendes Personal und Eltern oder Erziehungsberechtige. Auch Besucher und Besucherinnen von Schulfesten und Schulfeiern sind von diesem Rauchverbot nicht ausgenommen. Für Schülerinnen und Schüler gilt das Rauchverbot auf der gesamten Schulliegenschaft und damit auch für die dazugehörenden Freiflächen wie Schulhof, Sportplätze oder Parkplatz.

Eine Ausnahmeregelung, die das Rauchen im Schulgebäude in bestimmten Räumen (Raucherzimmer o.ä.) gestattet, ist aufgrund der strengen Regelungen zum Nichtraucherschutz in keinem Fall möglich. Auf Schulfreiflächen kann das Rauchen für Erwachsene erlauben werden, wenn diese Ausnahmeregelung in der Hausordnung (Verhaltensvereinbarung) verankert wird. Mehr dazu unter: Rundschreiben 3/2006: Nichtraucherschutz an Schulen (PDF)

In den 2016 beschlossenen Änderungen des Österreichischen Tabakgesetzes werden Wasserpfeifen und mit Tabakerzeugnissen verwandte Produkte (z.B. E-Zigaretten) wie Tabakerzeugnisse geregelt. Das bedeutet, dass das Rauchverbot zum Nichtraucherschutz z.B. in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Gastronomie genauso für E-Zigaretten und Wasserpfeifen gilt.

Umfassenden Rauchverbote, wie sie in Österreich bereits gelten und 2018 auch auf den Gastronomiebereich ausgeweitet werden, haben auf den Schutz der Nichtraucher/innen vor Passivrauchen und auf das Rauchverhalten aktiver Raucher/innen durchaus positive Effekte, wie ein Cochrane Review aus dem Jahr 2016 aufzeigt. Die Einführung von umfassenden Rauchverboten bedeutet eine Reduktion von rauchbedingten kardiovaskulären Krankheiten und Todesfällen und somit eine verbesserte Gesundheit (vgl. Wissen was wirkt 2016).

Die Anzahl der Jugendlichen, die angeben zu rauchen, sinkt seit der Jahrtausendwende kontinuierlich. Dennoch greifen nach eigenen Angaben etwa 16 % (HBSC-Erhebung) bis 20% (ESPAD) der 17-jährigen täglich zur Zigarette. Neben generellen Rauchverboten und der kürzlich beschlossenen Anhebung des Mindestalters für Tabakkonsum auf 18 Jahre, die ab 2018 wirksam werden soll, können auch Präventionsangebote in der Schule dazu beitragen, dass Heranwachsende gar nicht erst mit dem Rauchen beginnen oder wieder damit aufhören. Empfehlenswert sind sogenannte Lebenskompetenzprogramme, die – substanzunabhängig –gleichzeitig auf Wissensvermittlung und auf die Stärkung persönlicher und sozialer Kompetenzen setzen.

Suchtpräventive Programme können ihre Wirksamkeit am besten entfalten, wenn sie frühzeitig begonnen werden – am besten bereits im Kindergarten oder in der Grundschule – und in Laufe der Schullaufbahn mehrmals wiederholt werden (vgl. GIVE 2017). Die regionalen Fachstellen für Suchtprävention in den Bundesländern bieten deshalb altersangepasste Präventionsprogramme für verschiedene Schulstufen von der Grundstufe bis zu den Sekundarstufen an. Eine Übersicht findet sich unter: www.give.or.at/themen/lebenskompetenzen

Mehr zum Thema: www.give.or.at/themen/alkohol-tabak/

Literatur:
BMBWK (2006): Nichtraucherschutz an Schulen. Rundschreiben Nr. 3/2006. URL: http://www.schulpsychologie.at/fileadmin/user_upload/Nichtraucherschutz_Rundschreiben.pdf (30.5.2017)
BMGF (o.J.): Tabakkonsum österreichischer Jugendlicher – Daten aus der HBSC-Studie. URL: https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/9/7/0/CH1444/CMS1427118828092/studiendaten_hbsc_2014.pdf (30.5.2017)
GIVE (2017): Was Gesundheitsförderung in der Schule kann. Wirkung und Gelingensbedingungen schulischer Gesundheitsförderung. URL: http://www.give.or.at/fileadmin/media/download/download_infoseiten/GIVE_Was_GF_kann2017.pdf (30.5.2017)
Strizek, Julian; Anzenberger, Judith; Kadlik, Andrea; Schmutterer, Irene; Uhl, Alfred (2016): ESPAD Österreich. European School Survey Project on Alcohol and other Drugs. Band 1: Forschungsbericht. Gesundheit Österreich, Wien.
Wissen was wirkt (2016): Umfassende gesetzliche Rauchverbote schützen Nichtraucher. URL: http://www.wissenwaswirkt.org/umfassende-gesetzliche-rauchverbote-schuetzen-nichtraucher (30.5.2017)

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Alkohol an der Schule?

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Für viele Schulen stellt sich bei Schulfesten die Frage: Ist der Konsum von Alkohol in der Schule generell verboten? Für Schülerinnen und Schülern ist der Umgang mit Alkohol in der Rechtsvorschrift für Schulordnung geregelt. Im §9 heißt es: „Der Genuss alkoholischer Getränke ist den Schülern in der Schule, an sonstigen Unterrichtsorten und bei Schulveranstaltungen sowie schulbezogenen Veranstaltungen untersagt.“

Weniger eindeutig ist die Rechtslage, was den Konsum von Alkohol durch Erwachsene betrifft. § 44(1) des Schulunterrichtsgesetz (SCHUG) besagt, dass zur „Gestaltung des Schullebens und Qualitätssicherung“ in der Hausordnung seitens des Schulgemeinschaftsausschusses schuleigene Verhaltensvereinbarungen festgelegt werden können. Somit hat die Schule die Möglichkeit festzulegen, ob Erwachsenen der Konsum von Alkohol in der Schule und bei Schulveranstaltungen (z.B. Sport- oder Projektwochen) gestattet ist oder nicht.

Der Genuss von alkoholischen Getränken bei Feiern und Festen hat in Österreich Tradition; ein gutes Glas Wein oder Bier gehört für viele Österreicher und Österreicherinnen zum Feiern dazu. Deshalb tun sich viele Schulen schwer damit, ein striktes Alkoholverbot bei Schulfesten auch für Erwachsene auszusprechen.

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn es an einer Schule festgelegte Regelungen bezüglich des Alkoholkonsums bei Schulveranstaltungen gibt. Es gilt zu überlegen, bei welchen Anlässen Alkohol erlaubt sein kann, wer Alkohol trinken darf – z.B. nur erwachsene Besucher/innen – und welche alkoholischen Getränke angeboten werden. Wenn man sich entschließt, Alkohol bei Schulfesten zuzulassen, so sollten auch Maßnahmen für den Fall, dass jemand über die Stränge schlägt, festgelegt werden. Alkoholisierte Personen dürfen keinen Alkohol mehr erhalten und sollten nach Hause geschickt werden.

Wenn Lehrer und Lehrerinnen gemeinsam feiern möchten und dabei Alkohol angeboten werden soll, dann empfiehlt es sich, das außerhalb der Schule zu tun, etwa in einem Lokal.

Es muss aber nicht immer Alkohol sein! Als Alternative beim Schulfest bieten sich alkoholfreie Cocktails an. Rezepte dafür findet man zum Beispiel auf der Website der Barfuss-Bar, der alkoholfreien Bar zum Mieten: barfuss-bar.at/Cocktails/

Mehr zum Thema Alkohol und Schule in unserem Themenschwerpunkt:
Alkohol & Tabak

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Gelingensbedingungen & Erfolgsfaktoren für schulische Gesundheitsförderung

daumen hochGesundheitsförderung in der Schule hat positive Auswirkungen! Das zeigen die zahlreichen Studien und Reviews, die wir für unsere Publikation Was Gesundheitsförderung in der Schule kann durchgesehen haben. Erfolgreich und wirksam sind gesundheitsförderliche Interventionen besonders dann, wenn sie einige der folgenden Merkmale aufweisen:

Umfassender Ansatz auf mehreren Ebenen
Maßnahmen sind besonders effektiv, wenn die gesamte Schule einbezogen wird: Ziel sind gezielte Veränderungen bzw. die Optimierung von bisherigen Regelungen und Gewohnheiten, der Schulkultur und des Schulklimas. Die Schule wird als Lern- und Lebenswelt in den Blick genommen. Die Interventionen sprechen verschiedene Personengruppen an – Schüler/innen, Lehrer/innen, Eltern. Gerade die Einbeziehung von Eltern oder Erziehungsberechtigten erweist sich als wichtig für den Erfolg; sie sollten zumindest regelmäßig über den Fortschritt der Maßnahme informiert werden.

Langfristigkeit
Punktuelle, kurzfristige Aktionen sind weitaus weniger effektiv als langfristig angelegte Maßnahmen. Wiederholungen während der Schullaufbahn von Kindern und Jugendlichen sind ein besonders wichtiger Faktor für die Wirksamkeit, ebenso wie der Beginn von Interventionen in einem möglichst jungen Alter.

Gute Schulung der Lehrkräfte
Lehrerinnen und Lehrer tragen als Umsetzende vor Ort entscheidend zum Gelingen von Gesundheitsförderungsmaßnahmen bei. Es erhöht den Erfolg, wenn Lehrkräfte an Fortbildungen im Bereich Gesundheitsförderung teilnehmen und/oder Trainings und Einschulungen in die umzusetzenden Programme erhalten.

Als weitere Gelingensbedingungen lassen sich identifizieren:

  • Maßnahmen, die sich an Kinder und Jugendliche richten, sollten an deren Lebenswelt anknüpfen und sich an den Erfahrungen von Heranwachsenden orientieren.
  • Lerneinheiten für Schülerinnen und Schüler enthalten interaktive Elemente. knüpfen an der Lebenswelt und den Erfahrungen der Heranwachsenden an.
  • Eine programmgetreue Umsetzung ist wichtig für den Erfolg. Kurzfristige Veränderungen unterwegs schmälern meistens den Erfolg.

Literaturtipp:
Mehr zu Wirksamkeit und Erfolgsfaktoren von schulischer Gesundheitsförderung in unserer online-Publikation Was Gesundheitsförderung in der Schule kann (PDF zum Download).

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Impfen – eine wichtige Maßnahme zur Prävention von Infektionskrankheiten

vaccination-1215279_960_720Impfungen zählen zu den wichtigsten Maßnahmen der Prävention von Infektionskranken. Neben Hygienemaßnahmen tragen sie dazu bei, dass Auftreten von Infektionskrankheiten zu verhindern und deren Verbreitung einzudämmen.

Das menschliche Immunsystem als Vorbild
Bei einer Impfung macht man sich das Prinzip der Antikörperbildung des menschlichen Immunsystems zu nutze. Kommt der menschliche Körper mit Krankheitserregern in Kontakt, reagiert das Immunsystem mit der Bildung von Abwehrstoffen (= Antikörpern). Bei einer Impfung werden dem menschlichen Körper abgetötete, abgeschwächte oder Bestandteile von Krankheitserregern verabreicht. Der Körper bildet nach diesem Kontakt sogenannte Gedächtniszellen. Trifft er erneut auf diesen Erreger, wird sofort die Bildung von geeigneten Abwehrstoffe veranlasst.

Aktive und passive Immunisierung
Beim Impfen unterscheidet man zwischen aktiver und passiver Immunisierung. Bei einer aktiven Immunisierung werden abgetötete, Bruchstücke von oder geschwächte Krankheitserreger verabreicht. Dadurch kann der Körper die oben beschriebene Reaktion vollziehen. Der Impfschutz hält meist über Jahre an. Im Gegensatz dazu werden bei einer passiven Immunisierung, z.B. wenn der Mensch mit dem Erreger bereits in Kontakt kam, Antikörper gespritzt. Ein sofortiger Impfschutz kann gebildet werden. Allerdings hält dieser nur kurze Zeit an. (vgl. www.impfen-info.de)

Österreichs Impfplan
In Österreich gibt es seit mehr als 20 Jahren ein kostenloses Kinderimpfprogramm, d.h. für Kinder bis zum 15. Lebensjahr sind die wichtigsten Impfungen kostenlos. Eine Impfpflicht gibt es nicht, allerdings Impfempfehlungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Diese werden jährlich im österreichischen Impfplan festgehalten. Der jeweils aktuelle Plan kann von der Website des Gesundheitsministeriums unter www.bmgf.gv.at/home/Gesundheit/Gesundheitsfoerderung_Praevention/Impfen/  heruntergeladen werden.

Weitere Informationen:

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Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Der heurige Weltgesundheitstag am 7. April ist dem Thema „Depressionen“ gewidmet. Etwa 4,4% der Menschen weltweit sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Depressionen betroffen. In Österreich, so die Einschätzung der WHO, sind rund 5% der Bevölkerung an Depressionen erkrankt.

Auch Kinder und Jugendliche können an Depressionen erkranken. Den Anteil der jungen Menschen (15-19 Jahre), die weltweit davon betroffen sind, schätzt die Weltgesundheitsorganisation auf 3% der Burschen und ca. 4,5 % der Mädchen. Auch die Daten der HBSC-Studien legen nahe, dass Niedergeschlagenheit bei jungen Menschen nicht selten ist und außerdem mit dem Alter zunimmt: bei den 11-Jährigen klagen 13% der Heranwachsenden über Niedergeschlagenheit, bei den 15-Jährigen sind es schon 21%.

Depressive Verstimmungen sind bei Kindern und Jugendlichen schwer zu diagnostizieren. Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit sind in einzelnen Entwicklungsphasen während des Heranwachsens ganz normal, z.B. in der Pubertät. Die Abgrenzung zu einer psychischen Erkrankung ist daher nicht einfach. Symptome für eine Depression bei Kindern und Jugendlichen können sein:

  • Traurigkeit, niedergeschlagene Stimmung, Freudlosigkeit,
  • mangelnder Antrieb, Lethargie,
  • Schlafprobleme, Appetit- und Gewichtsverlust, Konzentrationsschwierigkeiten.

Die Ursachen für Depressionen bei Heranwachsenden sind oft traumatische Erlebnisse in Vergangenheit, z.B. Missbrauchs- und Gewalterfahrungen. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die Krieg und Flucht erlebt haben.

Die beste Vorbeugung gegen die Entstehung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen ist ein Umfeld, das den Kindern und Jugendlichen Halt und Sicherheit gibt. Gute und stabile Beziehungen zu den Eltern und zu anderen Bezugspersonen sowie das gemeinsame Erleben von positiven Situationen fördern das Selbstwertgefühl von Heranwachsenden und stärken ihre Resilienz.

„Let’s talk“ ist das Motto des Weltgesundheitstages 2017. Damit möchte die WHO darauf hinweisen, wie wichtig Gesprächsangebote sind, wenn Menschen in ein Stimmungstief fallen. Familie, Freunde und Kollegen können durch Ansprechen und Zuhören helfen, aus der Niedergeschlagenheit herauszufinden, oder den Weg zu einem professionellem Hilfsangebot ebnen.

Informationen zu Depressionen und Hilfsangebote in Österreich:

  • Informationen zu Depressionen und Behandlungsmöglichkeiten bietet: buendnis-depression.at
  • Eine Übersicht über Hilfsangebote in Österreich findet sich unter: kriseninterventionszentrum.at.
  • Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche bietet Rat auf Draht unter Tel. 147 oder rataufdraht.at.
  • Kostenlose und anonyme Hilfe für junge Menschen in Krisen, besonders bei Suizidgefährdung bietet die Initative bittelebe.at.

Literatur:
Forum Gesundheit: Depressive Kinder: Symptome und Therapie. www.forumgesundheit.at (6.4.2017)
LMU München: Psychischen Störungen frühzeitig begegnen. Interview mit Prof. Dr. Corinna Reck. www.uni-muenchen.de (6.4.2017)
Paediatrie.at – Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde: Depressionen bei Kindern und Jugendlichen – Teil 1.
www.paediatrie.at (6.4.2017)
WHO (2017): Depression and other common mental disorders. Global Health Estimates.
WHO: Feeling low in adolescence. www.euro.who.int (6.4.2017)
WHO: World Health Day 2017: www.euro.who.int (6.4.2017)

Bild: © WHO

Ist Gesundheitsförderung in der Schule effektiv?

Die Schule ist ein ideales Umfeld zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Es gibt wohl kaum eine Schule, in der Gesundheit kein Anliegen ist – sei es durch die Vermittlung von Gesundheitswissen, durch gesunde Projekte oder immer öfter auch durch Gesundheitsförderung als Element von Schulentwicklung. Aber zeigen Gesundheitsförderungsmaßnahmen in der Schule auch Wirkung?

Wir haben viele Studien und Übersichtsarbeiten für unsere neue Publikation „Was Gesundheitsförderung in der Schule kann“ durchgesehen und können sagen: Ja, vieles deutet darauf hin, dass gesundheitsfördernde Interventionen in der Schule positive Effekte zeigen. Mittlerweile liegt viel Forschung vor, die durchwegs positive Wirkungen von Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen in der Schule feststellen.

Bewegungsförderung stärkt Fitness und Konzentration
So wirken sich z.B. Interventionen zur Bewegungsförderung positiv sowohl auf die individuelle, körperliche Fitness als auch auf das persönliche, mentale Wohlbefinden aus. Außerdem kann Bewegung Aufmerksamkeit und Konzentration der Lernenden fördern. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn Bewegung in den schulischen Alltag integriert wird – etwa durch Angebote für eine bewegte, aktive Pause und Bewegungsmöglichkeiten im Unterricht.

Maßnahmen zum Thema „Gesunde Ernährung“ können das Ernährungswissen der Heranwachsenden verbessern. Veränderungen des Essverhaltens, vor allem vermehrter Konsum von Obst und Gemüse, lassen sich dann beobachten, wenn es Verbesserung im Verpflegungsangebot in der Schule gibt. Besonders wirksam sind das gemeinsame Frühstück oder Obst- und Gemüseangebote, besonders wenn sie kostenlos sind. Die oft mit Bewegungs- und Ernährungsmaßnahmen verbundenen Erwartungen auf Effekte bezüglich einer Verminderung von Übergewicht und Adipositas finden allerdings keine Bestätigung.

Förderung der Lebenskompetenzen zeigt Wirkung
Wirksamkeit zeigen auch Maßnahmen, die die psychische Gesundheit fördern oder der Suchtprävention dienen. So können durch entsprechende Interventionen die Konfliktlösefähigkeiten und ein konstruktives Sozialverhalten verbessert und Aggressionen, Gewalt und Mobbing verringert werden. Suchtpräventive Aktivitäten, die auf die Förderung der Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen abzielen, zeigen positive Effekte auf den Tabakkonsum, d.h. der Raucheinstieg erfolgt später oder bleibt ganz aus. Weniger deutlich sind die Effekte in Bezug auf den Alkoholkonsum; aber auch in diesem Bereich gibt es Hinweise auf eine Verminderung von Rauschtrinken und Betrunkenheit durch gezielte Präventionsmaßnahmen.

Auch wenn die beobachteten Effektstärken stark variieren, so deuten die meisten Publikationen durchgängig auf positive Effekte von schulischer Gesundheitsförderung hin. Das sollte allen Lehrerinnen und Lehrern, die sich für Gesundheitsförderung einsetzen, Mut machen!

Mehr dazu in unseren neuen online-Publikation:
> Was Gesundheitsförderung in der Schule kann.